„Wie entstand die Ungleichheit in der Menschheitsgeschichte?“
Bericht des Geschichtsvereins Kluftern zur Buchau-Exkursion am 30.06.2026
Er hatte sich sehr viel vorgenommen, der Geschichtsverein Kluftern: Auf einer Ganztagsexkursion erschlossen sich 26 Mitglieder und Freunde des Arbeitskreis Heimatgeschichte Kluftern in drei Museen 7.000 Jahre Geschichte der Stadt Bad Buchau. Sie besuchten das prähistorische Federseemuseum, die mittelalterliche Niederadelsburg im nahe gelegenen Kanzach, die „Bachritterburg“ und das hochbarocke Damenstift, die heutige Schlossklinik Bad Buchau samt Kurzführung durch die kleine, ehemalige Freie Reichsstadt Buchau.
In jeder der drei historischen Stätten wurden die Klufterner Heimatforscher und Geschichtsfreunde von einer sachkundigen Expertin in das das Leben der Menschen in den früheren Zeiten eingeführt. Im Federseemuseum führte uns eine Archäologin zurück in die Lebenswelt der Jungsteinzeit vor 7.000 Jahren. Anschaulich erklärte sie anhand der Dorf-Rekonstruktionen und der ausgestellten Artefakte, wie der Alltag unserer Vorfahren in dieser vorgeschichtlichen Ära aussah. Die Leitfrage nach der Entstehung der strukturellen Ungleichheit unter den Menschen beantwortete sie so: Erst in der technisch bereits fortgeschrittenen Bronzezeit am Bodensee (ca. 2000 bis 1000 v.Chr.) bildete sich eine Führungsschicht mit deutlich mehr Reichtum und Macht – ersichtlich an den wertvolleren Grabbeigaben – heraus.

Einzug der Klufterner Heimatgeschichtsforscher in die Bachritterburg Kanzach (Bild: AHK, M.Pohl)
Die uns näherstehende frühmittelalterliche Epoche der Feudaladelsbildung wurde uns von der Vorsitzenden des Trägervereins „Freunde der Bachritterburg“, Frau Anja Caggiano in der Rekonstruktion einer alten Turmhügelburg aus Holz, der Bachritterburg in Kanzach vor Augen geführt. Hier herrschte ein niederadeliger Ritter und sicherte die Besitzurkunden und einige wenige Reichtümer. Im Vergleich zur Ausstattung des Bauernhauses in der Vorburg wirkte die Turmburg zwar wehrhafter aber nicht sehr viel komfortabler. Die Standesunterschiede zwischen Bauern und Niederadel (Verwaltungs- und Kriegsadel) erschienen nicht sehr ausgeprägt.

Stadtführerin Charlotte Mayenberger am Gedenkbrunnen der alten Synagoge (Bild: AHK, M.Pohl)
Erst in der dritten Führung der auch als Autorin bekannten Bad Buchauer Heimatforscherin, Frau Charlotte Mayenberger durch das ehemalige, Freiweltliche Damenstift in Buchau trat der überwältigende Standesunterschied zwischen einfachen Bürgerinnen und hochadeligen Stiftsdamen deutlich zutage. Hier sorgten 160 Bedienstete und Verwalter für ein gutes Dutzend Adelsfrauen in prunkvollen Schlossgemäuern, ausgestattet mit allen Reichtümern der damaligen Welt des Hochbarock. In der nur für die Schlossbewohner zugänglichen Stiftskirche verfügte jede der regierenden Damen über einen eigenen Beichtstuhl samt Beichtvater. Hier also erreichte die Standesungleichheit bereits sozial unverträgliche Ausmaße. Das Leben der Reichsstadtbürger kannte demgegenüber zwar auch sichtbare Reichtumsdifferenzen, die aber noch durch Fleiß und Berufserfolg ausgleichbar waren.

Auch beim Vesper geht die Geschichtsforschung weiter (Bild: AHK, M.Pohl)
Unsere Exkursionsfrage war also cum grano sale beantwortet. Wie aber stand es um unser Wohlbefinden bei 30° C und dieser überwältigenden Wissensmenge? – Es überraschte uns alle: 7.000 geschichtsträchtige Jahre in sieben Stunden angestrengtem Zuhören hat niemanden von uns überfordert. Die Abwechslung der Szenerien und die faszinierenden Ausführungen der Führungsexpertinnen hielt alle auf Trab. Beim abschließenden Vesper im Gasthof Kreuz flochten einige sogar den Ungleichheitsgedanken weiter: Gegenüber der Verrücktheit, wie sich die sozialen Ungleichheiten heutzutage – auch in Deutschland – darstellen, war die damalige Welt sehr viel egalitärer und sozialer.